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FG Göppingen (1929-1959)

1929 - Gründung der FAG I (Flug- und Arbeitsgruppe I) unter Leitung von Dr. Richard Illig. Bau von zwei Gleitflugzeugen (ein offener und ein verkleideter Zögling). Diese Arbeiten werden im ersten Stock des Druckereigebäudes von Richard Illig in der Blumenstaße 3 in Göppingen durchgeführt.

1930 - Am 18.Februar wird die FAG II Göppingen unter Leitung von Gustav Beinhoff vom WLV (Württembergischer Luftfahrt Verband) anerkannt.
Am 31.Mai werden die beiden Flugzeuge in der Freihofturnhalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Der offene Zögling wird "Grashüpfer" getauft, der andere "Sperber" Ingenieur Bachem vom WLV überprüft beide Flugzeuge und führte die ersten Starts auf der "Viehweide", dem heutigen Göppinger Flugplatz, durch. Unter Fluglehrer Herr Rudolf folgen die ersten Rutscher und Starts am Gummiseil. An der Teck werden zwei A-Prüfungen geflogen. Im "Stadtgarten" werden verschiedene Segelflugzeuge ausgestellt, mit denen auf dem "Rigi" und bei Rechberghausen geflogen wird.

1931 - Da das Göppinger Gelände für Hangflüge zu flach ist, fährt man mit einem Lastwagen an die Teck. Ein näher gelegenes Gelände findet sich beim Iltishof am Stadtrand von Göppingen in Richtung Heiningen. Somit kann man sich den Lastwagen sparen, eine einfache Bockvorrichtung und die Muskelkraft der Fliegerkameraden reicht für den Transport aus. Bei einem Ausflug wird südlich des Kornbergs ein günstiges Gelände nahe
Gruibingen entdeckt. Die Landewiese befindet sich dort, wo heute die Autobahnraststätte steht. Es wird neben der Teck der "Hausberg" für die Göppinger. Am 25.Oktober werden hier die ersten A-Prüfungen geflogen und Abends in Gruibingen begossen.

1932 - In diesem Jahr wird viel geübt; sowohl beim Fliegen, als auch beim Reparieren danach.

1933 - Am 2. April erscheint in "Der Hohenstaufen" ein ausführlicher Artikel über die FAG I. 

1934 - Am 7.März gelingt Reinhold Ruess auf dem Hornberg ein Dauerflug von 10 Stunden und 39 Minuten. Er gewinnt damit einen vom Wirtschaftsministerium Stuttgart ausgesetzten Preis. Außer dem Anerkennungsschreiben des Ministeriums und des Oberbürgermeisters von Göppingen, sowie einer Glasschale freut er sich besonders über eine Postkarte von der deutschen Segelflugexpedition aus Argentinien. Unterschriften: Wolf Hirth, Heinrich Dittmar, Richard Mihm, Hanna Reitsch, Peter Riedel und W.Harth. Die FAG I ist in eine Fliegerortsgruppe des WLV umbenannt worden. Dr. Richard Illig, der bisherige Leiter der FAG I, stellt seinen Posten aus politischen Gründen zur Verfügung und erklärt seinen Austritt.

1935 - Der Göppinger Flugplatz wird gebaut. Zum Abschluß stiften die Göppinger Handwerker und Industrieunternehmer ein Motorflugzeug vom Typ Klemm KL 25. Mit diesem zweisitzigen Sportflugzeug werden auf dem Hornberg F-Schlepps und Passagierflüge durchgeführt. Martin Schempp ist Besitzer der ersten württembergischen Segelflugzeugwerkstatt in Göppingen. Wolf Hirth fliegt in Japan seine Konstruktion "Göppingen 1".

1936 - Zur Olympiade in Berlin ist ein Sternflug ausgeschrieben, zu dem alle Staaten Europas eingeladen sind. Mit der gestifteten Klemm nehmen Max Dieterle und Robert Dycke daran teil. Sie werden 24ster von 250 Teilnehmern.
1937 - Immer mehr wird auch der Segelflug zur "vormilitärischen Ausbildung" herangezogen. Der zivile Flugsport stirbt.

1938 - Martin Schempp mietet in Kirchheim ein leerstehendes Fabrikgebäude für eine Zweigniederlassung und geht mit Wolf Hirth zusammen. Die Firma Schempp-Hirth entsteht.

1939 - 1945 2.Weltkrieg: Der Flugbetrieb wird noch soweit durchgeführt, wie es die Kriegsereignisse erlauben.

1945 - Wie alles in Deutschland, so liegt auch die Sportfliegerei am Boden. [??? Es finden allerdings schon wieder erste Flüge bei den Amerikanern in Kirchheim/Teck statt. Schule von Herrn Hodemacker (Holland); Fluglehrer Paul Espenlaub ??? Weiß jemand was darüber

1945 - Im Mai wird in Göppingen die erste Modellfluggruppe Deutschlands von der amerikanischen Militärregierung lizenziert. Die Stadtgärtnerei Straub, in der die Modellbauwerkstadt eingerichtet wird, wird mehr und mehr zum Sammelplatz aller ehemaligen Flieger. Neben dem Bau von Flugmodellen ist es vor allem das Pläneschmieden, das der fliegerischen Idee immer stärkeren Auftrieb gibt. So wird in Erfahrung gebracht,
dass in einer Scheune in Eislingen ein Segelflugzeug vom Typ "Wolf" versteckt ist. Am helllichten Tag wird dieses Flugzeug unter schwierigsten Bedingungen "sichergestellt".

1947 - Die ersten Modellflugwettbewerbe finden statt. Die Göppinger sind hier sehr erfolgreich. Irgendwann einmal, so hofft man sehnlichst, wird wohl auch das Segelfliegen wieder zugelassen werden. Zunächst werden mit viel List und Tücke und immer am Rande der Legalität die Bauzeichnungen für den Doppelsitzer "Gövier" beschafft. Schon der Besitz von Bauplänen ist strafbar, erst recht natürlich ist es der
Besitz eines Flugzeugs. Trotzdem unternehmen einige Göppinger Kameraden (Willi Rostan, Karl Munz mit LKW, Fritz Ulmer, Roland Landauer und weitere) sehr gewagte Aktionen um in den Besitz von Segelflugzeugen zu gelangen.Zwei Grunau-Baby IIb werden von uns in einer Blitzaktion von Ebersbach nach Jebenhausen verlagert, da die Amerikaner auf sie aufmerksam werden. Der Besitzer Herr Schindele, der dadurch ganz schön ins Schwitzen kommt, vermacht uns eines der Babies für das Risiko, das wir dabei eingehen. Im September werden in zwei gefährlichen Nachtaktionen aus einer Halle der ehemaligen "Reichssegelflugschule Teck" in Nabern fünf fabrikneue Segelflugzeuge (3 Grunau-Babys, 1 Weihe, 1 Habicht) buchstäblich vor einer sinnlosen Zerstörung gerettet. Es gibt in Jebenhausen und Bezgenriet Bürger, die ein Herz für Idealisten haben. Sie nehmen das nicht kleine Risiko auf sich und verstecken die Flugzeuge.Die Fliegergruppe wird diesen Leuten immer dankbar sein. Fritz Ulmer gefährdet die ganze Aktion, als er versucht, ein Flugzeug für sich zu ergattern und dabei erwischt wird. Es gibt aber glücklicherweise keine
Hausdurchsuchung, bei der alles auffliegen würde. Er wird daraufhin aus der Gruppe ausgeschlossen.

1948 - In diesem Jahr entsteht in der Firma Gral-Glashütte dank eines großzügigen Entgegenkommens von Rolf Seyfang die erste Fliegerwerkstatt nach dem Krieg. In nächtelangen Lohnarbeiten werden die Mittel beschafft, um das Material für den geplanten Bau des Doppelsitzers Gövier einzukaufen. Weihe und Habicht müssen von Jebenhausen nach Bezgenriet umquartiert werden, da der Bauer, der sie versteckt, Angst bekommt und es den Amerikanern melden will. In fliegerischer Hinsicht muss man sich immer noch mit Modellflugwettbewerben begnügen.

1949 - Mit dem Fliegen ist es immer noch nichts. Es werden mit der Stadt Göppingen Verhandlungen wegen eines Geländes zur Erstellung einer Werkstatt geführt. Dafür wird ein Gelände auf dem Galgenberg am Rande des Flugplatzes vorgesehen. 

1950 - Auf dem Galgenberg wird im Frühjahr mit dem Bau einer Werkstatt begonnen. Es ist ein Gebäude aus Fertigteilen der Firma Staufen-Bau Eislingen. Solche Projekte entstehen nicht von allein. Einige Zugpferde müssen sich freiwillig davor spannen und ein Beispiel für die Anderen geben. Noch im gleichen Jahr kann das Richtfest gefeiert werden. Im Sommer wird damit begonnen, eines der "sichergestellten" Grunau-Babys bei der Firma Gral-Glas flugklar zu machen.

1951 - In Frühjahr findet die Versammlung zur Neugründung der Fliegergruppe Göppingen statt. Zum ersten Vorsitzenden wird Robert Pohl gewählt. Am 29.April ist dann endlich der lang ersehnte Augenblick gekommen: Der erste Flug der Fliegergruppe
Göppingen nach dem Krieg wird mit einem Grunau-Baby auf dem Messelberg im Autoschlepp mit 50 Meter Seil durchgeführt, der Pilot ist Willi Rostan. Im Juni wird dann das erste deutsche Segelflugzeug nach dem Krieg, ein Grunau-Baby IIb, mit dem Kennzeichen D-8000 zugelassen. Auf diesem Flugzeug erneuern die alten Segelfluglehrer des WLV ihre Lehrberechtigung, damit wieder mit der Schulung begonnen werden kann. Die ersten Luftfahrerscheine werden wieder erflogen. Für die Nachwuchsschulung baut man einen Schulgleiter SG-38.

1952 - Zu Beginn der Flugsaison schenkt der WLV der jungen Gruppe eine Pfeiffer-Winde. Es ist ein Ausgleich für Spenden der Göppinger Industrie an den Verband. Im Frühsommer findet auf dem Schillerplatz in Göppingen die Taufe von sieben Segelflugzeugen statt: 3 Grunau-Babys, 1 Schulgleiter, 1 Spalinger S-15, 1 Habicht und 1 Weihe. Geflogen wird auf dem Hornberg, auf dem Klippeneck, in Freiburg und im August gibt es bereits die ersten Probestarts auf dem Sielenwang. Die ersten Leistungsflüge können durchgeführt werden: drei Fünfstundenflüge, zwei Höhenflüge und ein Streckenflug für das Silber-C. Mit Hanna Reitsch als Lehrerin erhalten zwei Mitglieder den Kunstflugschein. Am Ende des Jahres kauft die Gruppe von der Firma Focke-Wulf in Bremen einen fabrikneuen Hochleistungsdoppelsitzer Kranich III mit dem Kennzeichen D-8038. Mit diesem Flugzeug erfliegen Hanna Reitsch und Lisbeth Häfner bei der Weltmeisterschaft in Madrid den dritten Platz in der Doppelsitzerklasse. In diesem Jahr ist zweifacher Vorstandswechsel. Erst wird Rolf Seyfang zum 1.Vorsitzenden gewählt, später wird es Alfons Bacher.

1953 - Jetzt ist das Segelfliegen wieder so richtig in Schwung. Während der Wachstumsruhe in der Natur schulen die Anfänger mit dem Schulgleiter am Mädlesberg bei Gruibingen. Mit dem Kranich, dem Baby und der Weihe wird auf dem Boßler geflogen. Damit ist der erste Schritt zur Gewinnung eines eigenen Fluggeländes getan. Am 12.Oktober findet der erste Göppinger Flugtag in Rechberghausen, Schloßhof statt. Am 18.Oktober wird der Kranich III auf den Namen "Göppinger Industrie" getauft. Karl Munz wird zum 1.Vorsitzenden gewählt.

1954 - Leider läßt sich das eigene Fluggelände auf dem Boßler, das man schon etwas ins Herz geschlossen hat, nicht realisieren. Die Fliegergruppe fliegt nun im wesentlichen auf dem Hornberg. Es zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass der Hornberg zu stark belegt ist. Es muss also oberstes Ziel bleiben, nach einem eigenen Fluggelände Ausschau zu halten. Die Schulgleiter-Schulung mit dem Gummiseil wird auf dem Lindenfeld bei Bettringen durchgeführt. Im August findet auf der Hahnweide ein Umschulungslager für Windenstart statt. Mit
dem Kunstflugzeug Habicht werden verschiedene Flugtage besucht.

1955 - Dieses Jahr bringt einen Wendepunkt - den Abschied von der Einsitzer-Schulung mit Schulgleiter und Gummiseil. Im April kauft die Fliegergruppe von der Firma Schleicher in Poppenhausen/Rhön ein doppelsitziges Schul- und Übungsflugzeug vom Typ Rhönlerche II. Ein sehr gelungenes Fliegerlager auf dem Klippeneck im August bringt wunderschöne Flüge. In diesem Jahr nimmt die Gruppe zum ersten Mal an einem Wettbewerb des WLV teil. Piloten der Gruppe erringen dabei den fünften und zehnten Platz in der Leistungsklasse. In der Übungsklasse erreicht man den elften Platz. Karl Munz und Herrmann Zeller beginnen Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern und Behörden über die Zulassung des Sielenwangs als Segelfluggelände. Die Verhandlungen sind zäh und Sieger durch Ablehnung bleibt die Behörde.

1956 - Ein rohbaufertiger L-Spatz 55 wird von der Firma Scheibe in München-Dachau gekauft. Die Mitglieder der Fliegergruppe bespannen und lackieren dieses Leistungsflugzeug in der Werkstatt. Im Sommer findet auf dem Fluggelände Elchingen bei Aalen ein Fliegerlager statt, das sowohl in fliegerischer, als auch in kameradschaftlicher Hinsicht ein großer Erfolg ist.

1957 - In diesem Jahr ist wieder Vorstandswechsel. Erich Dauner wird 1.Vorsitzender. Im Frühsommer wird der neue L-Spatz 55 auf dem Platz neben der Albert-Schweitzer-Schule auf den Namen "Blitzschwob" getauft. Als besondere Attraktion findet dabei ein Freiballonaufstieg der Ballonsportgruppe Stuttgart statt. Oberbürgermeister Dr.König fährt als Ehrengast mit. Leider wird die Fahrt durch ein aufziehendes Gewitter etwas jäh und unsanft an einem Baum bei Schlierbach vorzeitig beendet. Sowohl über Pfingsten auf dem Klippeneck, als auch im Sommer in Elchingen finden wieder Fliegerlager statt. Im Oktober beginnen einige Mitglieder in Illertissen mit der Kunsfflugschulung auf dem Habicht. Im übrigen bringt das Jahr 1957 erneut große Sorgen wegen der Werkstatt. Die kaum fertiggestellte Bleibe auf dem Galgenberg muss schon wieder geräumt werden, da der Platz für Wohnbauten benötigt wird. Die Stadt stellt der Fliegergruppe die Turnhalle der ehemaligen Wilhelmshilfe zur Verfügung. In einem intensiven wochenlangen Arbeitseinsatz wird ein Zwischenboden eingebaut, so dass damit eine einigermaßen verwendbare Fliegerwerkstatt entsteht. Im September kann nach vierjähriger Vorbereitungszeit der Privafflugplatz Göppingen-Berneck eingeweiht werden. Fritz Ulmer hat diesen fast nur aus privaten Mitteln aufgebaut. Damit haben die Göppinger Motorflieger einen in der Nähe liegenden, öffentlich zugelassenen Landeplatz. 

1958 - In diesem Jahr finden in Elchingen zwei Fliegerlager statt. Im Sommer ist es ein Schulungslager für Anfänger und ein Freizeitlager für Fortgeschrittene, wobei wieder schöne fliegerische Erfolge und ein nachhaltiges Kameradschaftserlebnis verzeichnet werden können. Im Oktober sind einige Kameraden in Elchingen und erwerben ihre Flugzeugschleppberechtigungen. 

1959 - Im wesentlichen wird auf dem Hornberg geflogen, wobei im Gruppenbetrieb einige silberne Leistungsabzeichen erzielt werden. Im Frühjahr finden auf dem Sielenwang wieder Probeflüge statt, die zeigen, dass es sich lohnt, die wahrscheinlich langwierigen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und den Behörden aufzunehmen, um zu einem gepachteten Segelfluggelände zu gelangen.