Trip mit dem Doppeldecker „Kiebitz“ nach Budweis in Tschechien und anschließend nach Krems in Österreich.


Wir haben uns die Stadt Budweis wegen deren historischen Altstadt und des nahegelegenen Flugplatzes und der Übernachtungsmöglichkeit am Platz ausgesucht. Meinem Aufruf für die Reise sind 6 Kiebitz Doppeldeckerpiloten Piloten gefolgt. Wilfried aus Bremen, Michael aus Kassel, Burkhard aus Freiburg, Heinz vom Nortel, Fritz aus Jesenwang und Michael aus Fürstenfeld Öster.


Der erste Treffpunkt der Flieger aus dem Norden und Westen war Cham im bayrischen Wald. Ab ca. 11:00 wollten wir uns treffen. Wegen des heftigen südöstlichen Gegenwindes hatten vor allem die zwei Kiebitze aus Bremen und Kassel zu kämpfen. Um 14:00 waren schließlich 3 Flieger in Cham angekommen. der 4. aus Freiburg meldete über Whatsapp noch eine Flugstunde. Die Hilfsbereitschaft der Fliegerkollegen im Cham zum Tanken und Essen war einfach super gut. Nach kurzem Trip in die historische Stadt Cham, die gut auch zu Fuß vom Flugplatz zu erreichen ist, sind wir um ca. 16:30 nach Budweiss gestartet. Der am Platz Cham stationierte Kiebitz startete mit und begleitete uns ein Stück über Bad Kötzting zum großen Arber, den wir nördlich in ca. 1800 m passiert haben. Nach einer Flugzeit von 1:45 erreichten wir den Flugplatz Hosin nördlich von Budweis. Da die Landebahn von Hosin 06/24 Hartbelag/ Gras 800 m und der Wind aus Südost kam, musste bei Seitenwind gelandet werden. Alle 4 Flieger kamen wohlbehalten runter. Die örtlichen Fliegerkameraden warteten schon auf uns. Nach der herzlichen Begrüßung wurden uns die Zimmer in der vereinseigenen Pension übergeben. Von den dortigen Fliegerkameraden wurden wir später in die Stadt mitgenommen.
Budweiss ist die Hauptstadt der südböhmischen Region im Süden der Tschechischen Republik, in dem vor dem II Welt- Krieg etwa 40 % deutschsprachige Menschen lebten. Außerdem wird dort hervorragendes Bier gebraut. Die Altstadt wird geprägt durch einen etwa 150m x150 m großen Marktplatz in dessen Mitte der historische Samsonbrunnen steht. Unzählige kleine Baars, Bistros und Shops säumen den Platz. Wir fanden in der Nähe ein hervorragendes Restaurant mit Innenhof, wo wir die böhmische Küche und Budweiser Bier genießen konnten.
Am nächsten Morgen wurden wir schon frühzeitig vom Geräusch eines blubbernden Sternmotors geweckt. Aufstehen und Frühstück im Platzrestaurant war angesagt. Der Sternmotor war zwischenzeitlich gestartet und kehrte nach einer halben Stunde zurück. Es war ein Eigenbau Doppeldecker mit dem 7 Zylinder Verner Stern Motor. Verner 5 Zylinder sind vereinzelt auch im Kiebitz verbaut. Am Platz sind Segelflieger Motorflieger Paragleiter Fallschirmspringer und sogar Skatebord Surfer sehr aktiv.
Nach dem Tanken starteten wir in Richtung Krems. Über die herrlich abwechslungsreiche Landschaft Südböhmens fliegen wir im lockerer Formation Richtung Österreich. Nach dem passieren der Grenze westlich von Gmünd nahmen wir Kurs auf Krems über die Stadt Zwettel und überflogen das sogenannte Obst- und Mostviertel. Nach etwa 1:10 Std landeten wir in Krems wo der 5. Flieger Michael aus Fürstenfeld Östr. bereits wartete.
Der Flugplatz Krems beheimatet Segelflieger F-Schlepp, Motorsegler, Paraclub Ul Flieger und ist ein Sonderlandeplatz mit täglichen Betriebszeiten. 900m 11/29 Ausrichtung Asphalt und Graspiste. Zwischenzeitlich war auch der 6. Kiebitz Fritz aus Jessenwang eingetroffen.
Nach dem notwendigen Towerbesuch gings dann per PKW in die Stadt Krems a.d.Donau, wo uns eine Bekannte eines Österreichischen Kiebitzbauers sich als Stadtführerin anbot. Sehenswert an Krems ist die Altstadt mit dem Steintor zur Altstadt. Leider ist die Haupt-Strasse für Kabelarbeiten aufgerissen und schmälert dadurch den insgesamt positiven Eindruck etwas. Das Donauufer mit seinen Schiffsanlegestellen, dem Neubau des Kunstmuseums, der Burg Krems und vielem mehr lohnt ein Besuch der Stadt.

Am Abend starteten wir mit 6 Kiebitzen zum Segelflugplatz Ottenschlag. Nach dem verzurren unserer Flieger und der herzlichen Begrüßung durch die Flieger von Ottenschlag brachte uns ein Großraumtaxi zu unserer Unterkunft. Der Flugplatz Ottenschlag wurde durch eine großzügige Spende von Red Bull Gründer D.Mateschitz, selbst flugbegeistert, ausgebaut und dadurch erhalten.
Konstrukteur des Kiebitz und Musterbetreuer Michael Platzer konnte am Abend noch einem weiteren Kiebitz das o.k. für die Rohbauabnahme geben, so dass jetzt mit den Bespann- und Lackierarbeiten begonnen werden kann.

Am Morgen brachte uns das Taxi wieder zum Flugplatz zurück. Da für den Nachmittag wieder kräftiger Wind aus Süd-Ost und für den Norden Deutschland schon die ersten Nachmittagsgewitter angekündigt waren entschlossen wir, uns zu trennen. Die drei Flieger aus Kassel und Bremen und Fürstenfeld starteten schon frühzeitig um noch vor der Front zurück zu sein. Michael aus Fürstenfeld hatte mit kräftigem Gegenwind zu rechnen. Er musste außerdem über hohe Berge bei Wien und dem Burgenland nach Fürstenfeld.

Fritz, Burkhard und ich hatten uns als nächsten Stop Vilshofen an der Donau nördlich Passau ausgesucht. Man kann vom Flugplatz zu Fuß über die Donaubrücke direkt in die Altstadt laufen. Am Platz gibt‘s ein schönes Terassenrestaurant, Benzin, eine Hartbahn 1140m lang 12/30 Ausrichtung, sehr freundlicher Flugleiter und genügend Abstellpatz. Vilshofen ist ein sehr beliebter Flugplatz für Tagesausflügler aus der Region und Ausgansplatz für Flüge Richtung Osten. ( Zollabfertigung möglich).

Wir stellten unsere Flieger ab und machten uns zu Fuß in Richtung Vilshofen Altstadt. Beim unterqueren des Donaudammes konnte man die Markierung Hochwasserstände der letzten Jahrzehnte sehen. Unmittelbar an der Donaubrücke befindet sich der Anleger für die Donauschiffe. Ab hier sind Tages-Donaufahrten nach Regensburg oder Passau möglich Die Altstadt selbst hat das typisch bayrische Flair und ist dem Donauufer entlang gebaut. Stadtturm mit Tor und Stadtkirche gehören zu den vielen historischen Gebäuden der Stadt.
Gegen 14:00 kehrten wir zum Platz zurück, machten uns fertig und starteten in Richtung München- Jessenwang dem Heimatplatz von Fritz wo wir nach 1:30 Std landeten. In Jessenwang ist am Sonntag bei schönsten Flugwetter viel Betrieb. Beim Anflug waren außer uns drei weitere 3 Maschinen in der Platzrunde. Nach der Landung stellten wir unsere Flieger vor der Halle ab. Der Flugplatz Jessenwang wird privat betrieben und von dem Verein mit vielen passiven und aktiven Mitgliedern "Vereinigung pro Luftfahrt" unterstützt.
Flugschule für Motorflug und UL sind am Platz aktiv. Fahrräder können ausgeliehen werden um zum nächsten Bahnhof Richtung München zu radeln. Das Rad kann in dem Zug mitgenommen und München damit erkundet werden.

Nach dem letzten Wetterbriefing zeigten sich schon einige Schauerzellen bei auf der Route zurück zum Nortel. Gegen 17:00 startete ich mit Copilotin dann zum letzten Teil unserer Reise. Burkhard hatte sich entschlossen noch einen Tag in Jessenwang zu bleiben. Für Montag war Sturm und Regen vorausgesagt. Burkhard bekam zum Glück einen Hallenplatz und ein Zimmer in Flugplatznähe. Nach dem Start bemerkte ich den kräftigen Rückenwind so dass ich eine Grounspeed von ca150 km/h erreichte. Zwei harmlose Schauerzellen konnten umflogen werden. Bei der Ankunft am Nortel baute sich gerade um den Flugplatz Nortel ein Schauer mit starken Wechselwinden auf. Der Anflug auf die 07 wurde daher aufgrund starker wechselnder Windböen abgebrochen um auf dem Nachbarplatz im Tal bei Betzgenried zu landen. Nach ca 45 min beruhigte sich der Wind, so dass ich wieder starten und gefahrlos auf den Flugplatz Nortel landen konnte.

Die Gesamtflugzeit betrug vom Nortel aus 9 Std und 940 km. Das Wetter war durchweg schön, lediglich der Südostwind mit bis zu 35 km/h machte uns zu schaffen und beeinflusste unsere Durchschnittsgeschwindigkeit.
Wilfried aus Bremen konnte noch kurz vor einem herannahenden Gewitter in Nienburg bei Bremen landen. Kurz nach dem Einhallen brach‘s dann los.

 

Heinz Hartmüller